Internationales als Selbstständiger

Die Arbeitswelt und natürlich auch Consulting Projekte oder Interimsmandate sind heutzutage international. Der Endkunde sitzt in Österreich, der vermittelnde Personaldienstleister in Deutschland und der Consultant kommt aus den Niederlanden.
Da stellt sich die Frage, was man bei der Projektabwicklung beachten sollte. Besonders von zwei Themen sollte man einmal gehört haben.

Reverse Charge


Was ist mit der Mehrwertsteuer? Bestimmt eine komplizierte Geschichte möchte man meinen. Doch schon seit den 90ern gilt in der Europäischen Union das Reverse Charge
Verfahren, welches die Verantwortlichkeit für das Abführen der Mehrwertsteuer regelt.
Hintergrund war damals im Zuge der Einführung des Binnenmarktes der Mitgliedsstaaten das Thema Mehrwertsteuer untereinander zu vereinfachen. Im Prinzip verlagert das
Reverse Charge System die Verantwortlichkeit für die Mehrwertsteuertransaktion vom Verkäufer zum Käufer von Gütern oder einer Dienstleistung. Es betrifft also auch die
Beratungsleistung, welche ein Freelancer / Interimsmanager bei einem Unternehmen
erbringt.


Wie sieht das konkret aus?
Der Freelancer ist in den Niederlanden registriert, der Endkunde hat seinen Unternehmenssitz in Österreich und der Dienstleister kommt aus Deutschland. Der
Freelancer wird von dem Personaldienstleister nach Stundenaufwand bezahlt und stellt dem deutschen Unternehmen eine Rechnung brutto für netto, ohne Mehrwertsteuer, gemäß Reverse Charge. Und kennzeichnet das einfach auf der Rechnung, mit einem Hinweis auf das Verfahren: Steuerschuldnerschaft liegt beim Leistungsempfänger / VAT free – Reverse Charge. Der Auftraggeber aus Österreich erhält dann von dem deutschen Dienstleister seine Rechnung ebenfalls mehrwertsteuerfrei. Der Rechnungsempfänger führt die Mehrwertsteuer bei seiner Abrechnung dann ab und kann sie bei der Vorsteuer geltend machen, hat also keinen Nachteil.
Man muss sich also nicht unbedingt in dem Land, in dem man die Leistung erbringt als mehrwertsteuerpflichtig anmelden. Für das Erbringen von Dienstleistungen in einem
anderen EU Staat ist das Reverse Charge System seit 2010 sogar Pflicht.


Schweiz ein Sonderfall?
Nun gehört die Schweiz ja nicht zur EU. Wohl aber zum EFTA Abkommen und die Schweiz hat sich in großen Teilen dem System angeschlossen. Auch hier gilt das Land in dem die
Dienstleistung in Anspruch genommen wurde – der Verbraucher ist mehrwertsteuerpflichtig.
Doch Sonderfälle gibt es immer, z.B. für bestimmte Dienstleistungen in Finnland, Luxemburg oder Slowenien. Man sollte sich also besonders im Zusammenhang mit diesen Ländern noch einmal mit seinem Steuerberater abstimmen.

Erlaubnis nötig?


Innerhalb der EU, das ist ja einer der großen Vorteile dieser Gemeinschaft, benötigt man als selbständig erwerbstätige Person für die Ausübung ihrer Tätigkeit keine Arbeitserlaubnis. Ausnahmen können Lichtenstein und Kroatien sein. Eine wertvolle Vereinfachung für alle Unternehmen, die von ausländischer Expertise z. B. eines Interimsmanagers profitieren möchten. Auch Schweizer Staatsbürger können sich auf dem EU Arbeitsmarkt größtenteils ohne Arbeitserlaubnis bewegen.
Möchte man jedoch in der Schweiz selbstständig tätig sein, gibt es durchaus einige Dinge zu beachten, die äußerst wichtig sind zu wissen.


90 Tage Regel
Als Freelancer darf man auf jeden Fall auch ohne ein registriertes Unternehmen in der Schweiz zu haben ohne Arbeitserlaubnis seine Dienstleistung (z.B. Beratung in der Life
Science Industrie) erbringen. Aufpassen muss man jedoch bei vor Ort Einsätzen. Hier gilt eine 90 Tage Regel, die besagt dass man maximal 90 Arbeitstage pro Kalenderjahr vor Ort in der Schweiz arbeiten darf. Das erfolgt ordnungsgemäß recht unkompliziert durch ein Online-Meldeverfahren für welches man sich registriert und dann im Voraus die Tage, die man im Land arbeiten wird, anmeldet. Ist man dann vor Ort gibt es einige Dinge zu beachten wie z.B. die Meldebescheinigung und den gültigen Dienstvertrag bei sich zu führen.
Schweizer Unternehmen müssen also nicht auf Freelancer aus Deutschland, Frankreich, Österreich, Dänemark usw. verzichten. Was, wenn es für den eigenen Auftrag jedoch
essentiell ist länger als die 90 Tage vor Ort zu sein, z.B. weil man als Projektleiter fungiert und alles genau im Blick haben muss? Nun, auch dann gibt es Möglichkeiten, die jedoch mit etwas mehr Aufwand und Unsicherheit verbunden ist. Der nächstlängere Aufenthalt beträgt 120 Arbeitstage, für die man sich quasi bewerben muss, einige Auflagen erfüllen sollte und es gibt keine Sicherheit die Erlaubnis zu bekommen. Auch kann es sein dass es von Kanton zu Kanton unterschiedliche Regelungen gibt, man sollte sich also vorher gut informieren und seinen Einsatz in der Schweiz frühzeitig planen!
Alle Angaben ohne Gewähr.

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